Pressemitteilung

50 Jahre Pfarrer sein

  • 10.12.2025
  • Thorsten Ostermann (Referent für Öffentlichkeitsarbeit)

EIN INTERVIEW, DAS PFARRER RALF KASPER MIT PFARRER i.R. HERBERT GROßARTH ANLÄSSLICH SEINER GOLDENEN ORDINATION FÜHRTE.

Am 14. Dezember, dem 3. Advent, feiern wir Deine Goldene Ordination. Da wurdest Du von der Kirche beauftragt, das Evangelium öffentlich zu bezeugen. War das damals ein wichtiger Tag für Dich?

Ja, schon, aber meine eigentliche Ordination war auf einer Freizeit. Da war ich 18 Jahre alt und bin nach langem Nachdenken und vielen Diskussionen über den christlichen Glauben in einem Gespräch mit einem jungen Christen aus dem Essener Weigle-Haus ganz bewusst Christ geworden. Das war für mich ein so tiefes Erleben, dass ich mich irgendwie beauftragt sah, auch anderen von meinem Glauben zu erzählen und ihnen zu helfen, Zugang zur Dimension des Glaubens zu bekommen. Ich stieg in der Gemeinde Mülheim-Saarn ehrenamtlich in die Jugendarbeit ein und machte das all die Jahre meines Studiums weiter – zunächst von Wuppertal, später von Bonn aus.

War für Dich immer klar, dass Du Pfarrer werden wolltest?

Nein, ich habe auch noch Anglistik studiert und mir bis zum Schluss offen gehalten, vielleicht auch Studienrat für Englisch und Religion zu werden und dazu ehrenamtlich in einer Gemeinde mitzuarbeiten. Meine Berufung ist bis heute: Missionarisch tätig sein, egal wo! Ich habe mich dann für den Raum der Kirche und den Pfarrerberuf entschieden, einfach aus ganz pragmatischen Gründen: Die Kirche gibt mir einen großen Freiraum, meine Berufung zu verwirklichen. Das heißt, Visionen zu entwickeln, Konzepte und Strategien zu entwerfen, um zusammen mit anderen missionarisch tätig sein zu können.

Und? Hat das dann nach Deiner Ordination hier in der Apo geklappt? Hast du den Freiraum bekommen?

Ja, für mich war das zunächst eine Art Kulturschock, als mich die Kirchenleitung als Pfarrer z.A. hierher geschickt hatte – in eine Bergarbeiter-Gemeinde. Ich war von  Mülheim-Saarn ja ein ganz anderes Milieu gewöhnt. Irgendwann ist der Funke dann übergesprungen. Ich habe mich hier unter den Bergarbeiterfamilien schnell wohl gefühlt und anscheinend auch gelernt, ihre Sprache zu sprechen. Denn mit der Zeit kamen immer mehr von ihnen zum Gottesdienst.

Und Du hast hier viel in die Jugendarbeit investiert. Die ist ja richtig aufgeblüht.

Ja, das Zusammensein mit jungen Leuten – dafür schlägt mein Herz eigentlich bis heute. In meine Dienstanweisung hatte ich mir reinschreiben lassen: Der Schwerpunkt Ihrer pfarramtlichen Tätigkeiten liegt bis auf Weiteres in der missionarischen Jugendarbeit. Wir erwarten, dass Sie da neue Wege gehen. Und das ist jetzt ganz wichtig: All die Jahre hatte ich bei den Aktivitäten, die ich hier angestoßen habe, die Zustimmung des Presbyteriums, auch als wir TEN SING in der Jugendarbeit eingeführt haben. Ich bin allen Presbytern und Presbyterinnen dafür bis heute dankbar!

Wie ich Dich erlebe, legst du großen Wert auf den Gottesdienst. Bis heute bist Du ja im Gottesdienstausschuss und hältst selbst regelmäßig hier und woanders Gottesdienste.

Stimmt. Für mich war das ein Schock am Anfang. Ich habe kurz vor meiner Einweisung in die Apo eine Gastpredigt gehalten. Da waren 16 Leute in der großen Kirche, und es lief das volle Orgelprogramm. Da wurde mir klar: Hier muss etwas geschehen! Die Gottesdienste müssen so sein, dass Menschen erleben können: Was da geschieht und was da zur Sprache kommt, das kann ich verstehen, und ich merke: Das ist relevant für mein Leben!

Aber ist da nicht oft ein Bruch? Jugendliche kommen kaum noch in die Kirche, und es gibt die großen Diskussionen, welche Musik gespielt wird, welche Lieder gesungen werden und so weiter.

Stimmt – und das finde ich sehr schade. Diese Alternative: Entweder Choräle mit Orgel oder Lobpreislieder mit Band, und dann hoffentlich auch noch auf Englisch. Warum muss das denn eine Alternative sein?  Warum kann man das denn nicht mischen? Dazu dann in regelmäßigen Abständen Extra-Gottesdienste machen – wie hier in der Apo den YouGo oder früher den Spotlight. Ich träume immer noch davon: Der Gottesdienst am Sonntagvormittag ist die zentrale Veranstaltung, der  zentrale Treffpunkt zum gemeinsamen Hören auf Gottes Wort, zum Lobpreis, zum Gebet. Wenn das oft mit so burschikosen Worten madig gemacht wird, tut mir das weh. Und überhaupt: Der liturgische Ablauf eines Gottesdienstes hat ja auch einen tiefen Sinn. Den kann man erklären, im Ablauf in einer guten Moderation deutlich machen und dazu immer wieder kreative Elemente in die Liturgie einbauen. Dann gibt es da auch Abwechslung, und dann ist das auch nicht monoton!

Es wird ja jetzt immer intensiver über Strukturveränderung im Raum der Kirche gesprochen, weil die Entkirchlichung immer weiter fortschreitet. Welche Herausforderungen siehst Du da für die Zukunft – im Blick auf die gesamte Kirche, aber auch mit Blick auf die Apo?

Vor einiger Zeit habe ich in eine Predigt mal ein Wortspiel einfließen lassen: Unsere Volkskirche wird mehr und mehr zu einer Kirche ohne Volk – und das hat dann Konsequenzen: Sie wird auch zu einer Kirche ohne Geld .Wir müssen jetzt zusehen, dass sie nicht auch noch zu einer Kirche ohne Substanz wird.

So richtig und wichtig Strukturdebatten sind, sie bewirken letztendlich aber keine Reform der Kirche, keinen  Aufbruch zum Glauben. Es geht um die Frage: Was  haben wir Menschen anzubieten, dass sie überhaupt noch auf den Gedanken kommen: Kirche könnte für mich relevant sein?

Was ist denn das ureigene Anliegen der Kirche? … und da bin ich beim missionarischen Auftrag. Ja, natürlich nicht platt, nicht aggressiv, nicht in der evangelikalen US-Variante. Natürlich nicht! Manchmal habe ich aber den Eindruck, dass wir uns unseres missionarischen Auftrags schämen und dann lieber einen auf politische Statements machen. Klar, gehört das auch zum Auftrag der Kirche, aber das kann doch nicht alles sein! Es geht doch auch um mein persönliches Verhältnis zu Gott, um die Klärung der Sinnfrage für mein Leben und Sterben.

Und die Apo? Sie soll das bleiben, was ihr die Kirchenleitung bei einer Visitation vor mehr als 15 Jahren einmal zugesprochen hat: Missionarisch-diakonische Profilgemeinde. Diese beiden Elemente muss sie in die Diskussion hinsichtlich der Standortfrage für die Zukunft einbringen. Ich glaube, die Apo muss allein um des Standortes Tackenberg Willen erhalten bleiben. Dabei denke ich auch an das gute Miteinander mit der Mevlana Moschee! Was ergeben sich hier allein auch durch das Raumprogramm – Kirche und Gemeindezentrum – für Möglichkeiten zu Begegnungen und Aktivitäten, die weit in den Tackenberg hineinwirken. Offensichtlich wird das ja auch von der Stadt Oberhausen so gesehen.

Danke für das Gespräch! Und herzlichen Dank im  Namen des Presybteriums, der Gemeinde und den zahlreichen Menschen, die Dich als Verkündiger des Evangeliums, Seelsorger und Gemeindebauer erleben durften und hoffentlich noch weiterhin erleben dürfen.

Der Gottesdienst findet am 14. Dezember um 19 Uhr in der Apo Tackenberg statt.