„Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“

  • 02.11.2026
Präses Dr. Thorsten Latzel setzt beim Reformationsgottesdienst in Oberhausen starke Impulse für Hoffnung, Haltung und gesellschaftlichen Zusammenhalt

In seiner eindrucksvollen Predigt zeichnete Latzel zunächst ein Bild der gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen. Der Klimawandel, das Aufkommen extremistischer Parteien und die zahlreichen Kriege auf der Welt verunsicherten viele Menschen. Hinzu kämen die ganz persönlichen Sorgen: Krankheiten, die Angst um den Arbeitsplatz oder andere Belastungen, die im Alltag bewältigt werden müssten. All dies mache deutlich, dass wir in herausfordernden Zeiten lebten.

Doch wie können Menschen diesen Herausforderungen begegnen? Für Latzel liegt eine entscheidende Antwort im Glauben an Jesus Christus. Dieser könne eine innere Widerstandskraft verleihen, die Menschen befähige, auch in schwierigen Zeiten zuversichtlich zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen.

Haltung zeigen – gerade im Kleinen

Dabei machte der Präses deutlich, dass christlicher Glaube keineswegs Rückzug aus der Gesellschaft bedeute. Im Gegenteil: Er ermutige dazu, Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen.

„Das beginnt bereits dort, wo Extremisten schamlos Unwahrheiten verbreiteten, Menschen ausgegrenzt oder andere gemobbt würden. Hier gelte es, entschieden Nein zu sagen und nicht wegzusehen“, so Latzel.

Haltung zu zeigen sei dabei keineswegs nur eine Aufgabe der großen Politik. Sie beginne im unmittelbaren Lebensumfeld: im Freundeskreis, in Vereinen, am Arbeitsplatz oder auf dem Schulhof. Jeder Einzelne könne dazu beitragen, dass Respekt, Menschlichkeit und Zusammenhalt gestärkt würden.

Kleine Gesten mit großer Wirkung

Zugleich ermutigte Latzel dazu, die Kraft kleiner Gesten nicht zu unterschätzen. Nicht immer brauche es große Veränderungen oder außergewöhnliche Taten. Oft seien es gerade die scheinbar unscheinbaren Dinge, die einen Unterschied machten: einem anderen Menschen freundlich begegnen, jemanden anlächeln, ein Gespräch beginnen oder aufmerksam zuhören.

Besondere Aufmerksamkeit widmete der Präses dabei dem Thema Einsamkeit. Etwa jeder sechste Mensch in Deutschland fühle sich einsam, führte Latzel aus. Eine Entwicklung, die nicht nur für die Betroffenen belastend sei, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährde. Einsamkeit könne eine Kultur des Misstrauens begünstigen und Menschen voneinander entfremden.

Umso wichtiger sei es, Begegnungen zu ermöglichen, Gemeinschaft zu fördern und aufeinander zuzugehen. Gerade hier könnten Kirchengemeinden und christliche Gemeinschaften einen wichtigen Beitrag leisten.

Die Botschaft seiner Predigt war damit gleichermaßen ermutigend wie herausfordernd: Christlicher Glaube schenkt Hoffnung, aber er fordert auch dazu auf, diese Hoffnung im eigenen Handeln sichtbar werden zu lassen.

Beeindruckende musikalische Gestaltung

Der festliche Reformationsgottesdienst wurde von Pfarrer Kay Sandrock mitgeleitet. Einen besonderen Akzent setzte die musikalische Gestaltung unter der Leitung von Kreiskantor Danny Neumann. Chor und Instrumentalensemble sorgten mit ihren beeindruckenden Darbietungen für einen würdigen und bewegenden musikalischen Rahmen.

So wurde der Reformationstag in der Pauluskirche zu einem Abend, der weit über das Gedenken an ein historisches Ereignis hinausging. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Kraft der christliche Glaube heute entfalten kann – für den Einzelnen ebenso wie für eine Gesellschaft, die vor großen Herausforderungen steht.

Eine Botschaft blieb dabei besonders in Erinnerung: „Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“

  • Thorsten Ostermann
  • Red