Politisches Nachtgebet lockte viele Besucher in die Lutherkirche

Eine prall gefüllte Kirche, ein stimmgewaltiger Chor und ein stark besetztes Podium – all dies bot die diesjährige Veranstaltung in der Lutherkirche Alt-Oberhausen zum Politischen Nachtgebet mit dem Titel „Perspektiven innerer Sicherheit“.

Deutschland braucht mehr Zuversicht. Denn die aktuelle Lage ist geprägt von einem tiefen Vertrauensverlust in viele Institutionen der Gesellschaft – allen voran Politik und Medien. Das zeigt eine tiefenpsychologisch fundierte und repräsentative Studie von Initiative 18, #UseTheNews und der Markforschungsagentur rheingold salon, die kürzlich vorgestellt wurde.

Grund genug für Andreas Loos, Pfarrer und Moderator des Abends, sowie den Wirtschaftsausschuss der Evangelischen Kirche in Oberhausen, einen Themenabend dazu anzubieten.
Die Gäste: Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Sylke Sackermann, Polizeipräsidentin in Oberhausen, Jens Lönneker vom Projekt Zuversicht sowie Peter Szymaniak, Leiter der WAZ Oberhausen.

„Wir haben im Ausschuss wahrgenommen, welch großer Unterschied zwischen tatsächlicher und gefühlter innerer Sicherheit besteht“, leitete Andreas Loos ein und ergänzte: „In Erhebungen zählt Oberhausen zu den zehn sichersten Städten in ganz Deutschland.“

„Wir haben in einer Studie herausgefunden, dass ein Viertel der Menschen in Deutschland den etablierten Medien nicht vertrauen. Ein großer Teil dieser Menschen entwickelt kein Vertrauen in das System und tendiert zu systemkritischen Parteien“, sagte Jens Lönneker einleitend und ergänzte: „Wir haben uns überlegt, wie wir diese Menschen wieder zurückgewinnen können, denn eine Demokratie braucht zur Legitimation ein großes Publikum. Wir haben dann schnell Partner wie Burda und Funke Medien gefunden, die uns bei der Arbeit Unterstützung zugesagt haben. In Gesprächen mit vielen Menschen haben wir dann Folgendes festgestellt: 85 Prozent der Befragten gaben an, dass es ihnen und ihren Familien gut gehe. Gleichzeitig sagten 68 Prozent davon, das Land fahre vor die Wand. Hier haben wir viele Ansätze für unser Projekt Zuversicht gefunden.“

„Ich nehme das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen in Oberhausen wahr. Corona, der Ukraine-Krieg und die Situation in Nahost verunsichern viele Menschen“, sagte Dr. Sylke Sackermann. „Die Kriminalzahlen in Oberhausen sind hingegen rückläufig. Hier gibt es eine Diskrepanz zwischen gefühlter und tatsächlicher Sicherheit.“

Und welche Rolle spielen die Medien dabei? Dazu sagte Peter Szymaniak: „Unsere Aufgabe ist es nicht, Panik oder Zuversicht zu verbreiten, sondern die Realität abzubilden. Eine Aufgabe dabei ist natürlich auch die, die Verantwortung tragen, zu kontrollieren und Entscheidungen zu hinterfragen. Wir produzieren rund 80 Prozent positiver Nachrichten, hängen bleiben aber häufig die schlechten.“

Präses Dr. Thorsten Latzel hob die Bedeutung von Kirche in der Gesellschaft hervor: „In der Kirche kann man lernen, Menschen zu vertrauen, Gott zu vertrauen und: Dass Gott einem vertraut. Studien zeigen: Wenn jemand in der Kirche ist und auch regelmäßig am Gottesdienst teilnimmst, steigt signifikant das Vertrauen in andere Menschen und Institutionen – und die Bereitschaft, sich sozial einzubringen.“

Zum Schluss der Veranstaltung hatte das Publikum noch die Möglichkeit, Fragen an die Gäste zu richten. Abschluss fand das Nachtgebet mit dem Titel „Imagine“, den der Fun Vocal Chor,  unter der Leitung von Kreiskantor Danny Neumann, eindrucksvoll intonierte.

Peter Szymaniak, Dr. Sylke Sackermann, Andreas Loos, Jens Lönneker und Dr. Thorsten Latzel (v.l.n.r.)
  • 12.09.2025
  • Thorsten Ostermann
  • Red